ACTA – Anti-Counterfeiting Trade Agreement (Anti-Piraterie-Abkommen)

Written by mupaki.de on. Posted in medienblog

ACTA - Anti-Counterfeiting Trade Agreement (Anti-Piraterie-Abkommen) Es ist kaum Zeit vergangen, seitdem es massive Proteste an den beiden Abkommen SOPA und PIPA in den USA gab. Nun geistert ein neues Gespenst durch das Internet, was vielen gehörig Angst macht und in Schrecken versetzt. Dieses Gespenst hört auf den Namen ACTA wurde bereits von 39 Ländern unterschrieben. Offiziell ist ACTA ein internationales Handelsabkommen, was auch Einfluss auf die Internetpiraterie, also illegale Downloads von Musik und Filmen, nehmen soll. Im Grundsatz kann man vereinfacht sagen, ACTA soll vor Urheberrechtsverletzungen schützen. Hört sich doch eigentlich gut an; also was ist so schlimm ACTA?

ACTA beschlossen unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Worauf gerade wir Europäer aber auch viele andere Länder stolz sind, ist der Grundgedanke der Freiheit und der mehrheitlichen Meinung – also der Demokratie. Was allerdings beim Beschluss von ACTA passiert ist, hat damit wenig bist gar nichts zu tun. Denn dieses Abkommen nimmt auf viele Bereiche unseres Lebens und unsere Freiheit Einfluss, wurde jedoch von Regierungs- und Industrievertretern beschlossen und unterzeichnet, die nicht von den Bürgern der jeweiligen Länder gewählt worden sind. Das die Öffentlichkeit nicht immer mit in Gesetzesbeschlüsse der Politiker einbezogen wird, ist keine Seltenheit und ärgerlich genug. Das nun aber selbst von den Bürgern gewählte Vertreter von diesem Abkommen ausgeschlossen worden sind ist der absolute Gipfel. Wie ist es möglich, dass Gesetze und Abkommen beschlossen werden, die nur dem Interesse und Profit einzelner dienen und ohne dabei auf die Meinung der Mehrheit einzugehen?

ACTA zwingt Provider zur Spionage

Bisher galt: wenn ein User illegale Inhalte aus dem Netz lädt, macht er sich strafbar. Er verletzt damit das Urheberrecht Dritter (z.B. Plattenfirmen oder Filmstudios) und richtet damit auch wirtschaftlichen Schaden an. Das ist zwar grundsätzlich richtig, jedoch wird dies oft von der Unterhaltungsindustrie zu ihren Gunsten interpretiert. Denn nicht alles, was heruntergeladen wird, wäre auch von den Nutzern tatsächlich gekauft worden – dieser Fakt nur am Rande. Nun werden jedoch nicht die Nutzer im einzelnen dafür verantwortlich gemacht, sondern die Provider, die den Internetanschluss bereitstellen. Lädt ein Nutzer illegale Inhalte herunter und der Provider kann dies nicht verhindern, so wird auch er hart dafür bestraft. Da die meisten Provider aber wohl kaum zur Rechenschaft für die Nutzung des Internets ihrer Kunden gezogen werden wollen, würden wohl sämtliche Anschlüsse genau überwacht werden. Das heißt JEDE Seite auf der man surft, JEDES Bild was man im Netz anschaut, JEDEN Text den man schreibt oder liest. Erschreckend, oder? Wer aber jetzt in der Zeit der sozialen Netzwerke, wie Facebook und Twitter , ohnehin schon keinen  Gedanken mehr an Datenschutz und Privatsphäre verschwendet, der sollte sich die nächsten Zeilen gut durchlesen, denn das betrifft uns alle!

ACTA vs. Freiheit im Internet

Viele Nutzer wiegen sich jetzt vielleicht noch immer in Sicherheit – sie sagen sich vielleicht “ACTA? Betrifft mich nicht, ich lade keine Filme oder Musik runter.” Falsch! Denn ACTA betrifft JEDEN Internetnutzer. Warum? Ganz einfach: Blogs, Foren, Twitter, YouTube wären nicht mehr möglich. Das klingt übertrieben, ist aber wahr. Denn bereits das falsche Zitieren kann als Urheberrechtsverletzung gelten und wäre damit abmahngefährdet. Lädt man bei Picasa oder Flickr sein Urlaubsfoto hoch, worauf im Hintergrund das Hotellogo zu sehen ist – abmahngefährdet. Filmt man stolz seinen Junior bei seinen ersten Schritten für YouTube während im Hintergrund das Radio läuft – abmahngefährdet. Twittert man seine Meinung kritisch über Politiker – abmahngefährdet. Teilt man ein lustiges Bild auf Facebook mit seinen Freunden, das man im Netz gefunden hat – abmahngefährdet. Und so könnte man noch viele weitere Beispiele aufzählen, die mit ACTA nicht mehr möglich wären. Man kann ja über Privatsphäre und Datenschutz denken was man möchte, aber spätestens wenn es keine Videos mehr auf YouTube gibt, keine Bilder mehr auf Facebook gepostet werden können und keiner mehr Twittern kann, werden sich viele wundern und die gute alte Zeit zurückwünschen.

ACTA und das Three-Strikes Gesetz

Was in einigen Ländern (z.B. Großbritannien) schon Gang und Gebe ist, wird durch ACTA ebenfalls begünstigt oder sogar gewollt gefördert. Das Three-Strikes-Gesetz besagt, dass beim dritten Vergehen gegen beispielsweise Urheberrechtsverletzungen der Internetanschluss komplett gesperrt wird. Spätestens dann ist es ganz vorbei mit sozialen Netzwerken oder mal eben etwas Googlen. Das dürften auch den liberalsten Internetnutzern nicht schmecken, wenn ihnen von Staatswegen der Internetanschluss gänzlich gesperrt wird. Und mal ganz ehrlich: kann man von sich selbst wirklich mit absoluter Sicherheit sagen, dass man noch nie etwas im Netz falsch zitiert hat oder bei jedem hochgeladenem Foto penibel auf Urheberrechte geachtet hat?

Sag nein zu ACTA!

Normalerweise versuchen wir als Medienratgeber immer möglichst neutral zu bleiben und rufen nicht offen pauschal zum Protest auf. Beim ACTA-Abkommen machen wir jedoch klar eine Ausnahme! Denn würde ACTA in seiner jetzigen Form auch in der EU und in Deutschland angewandt werden, wäre das betreiben unser Seite nur noch schwer bis gar nicht mehr möglich. Mit unserem Projekt wollen wir niemanden schaden – ganz im Gegenteil: wir wollen einen nützlichen Beitrag für das Thema Sicherheit im Internet leisten. Auch ist unser Medienratgeber keine Gefahr für den Profit der Unterhaltungsindustrie. Ferner ruft mupaki.de nicht zum illegalen Download auf oder fördert diesen in irgendeiner Weise. Daher unterstützen wir ganz klar die Initiative “Stop ACTA“, bei der wir bereits unterschreiben haben. Bereits knapp 2 Millionen Internetnutzer haben diese Petition ebenfalls unterstützt und es werden stündlich mehr. Wer ebenfalls für die Freiheit des Internets kämpfen möchte, kann hier mit geringem Aufwand seinen Beitrag leisten:

Petition gegen ACTA unterschreiben

Medien-Tipp:

Dieses Video (Quelle:  YouTube/Anonymous 2010) ist zwar auf Englisch, beschreibt aber auch mit Bilder sehr gut, was ACTA bedeutet und was dieses angebliche Anti-Piraterie-Abkommen anrichten kann. Unbedingt einmal anschauen!

Tags: , , , , , , , , , , , ,

Trackback from your site.

Einen Kommentar schreiben.