Trojaner in blau und weiß entdeckt – Freistaat Bayern zapft nicht nur das Bier an

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Trojaner in blau und weiß entdeckt - Freistaat Bayern zapft nicht nur das Bier an Die Meldungen der letzten Tage überschlagen sich regelrecht, wenn es um den “Staatstrojaner” geht, der kürzlich entdeckt wurde. Dabei fordern bereits einige Politiker den Rücktritt des bayrischen Innenministers Herrmann, andere wiederum, darunter Joachim Herrmann selbst, wiegeln ab und versuchen den Fall kleinzureden. Liest man sich verschiedene Meldungen der Presse durch, kann man schnell die Übersicht und dabei den Blick fürs Wesentliche verlieren. Daher: kurz durchatmen bitte und jetzt einmal geordnet!

Was ist ein Trojaner?

Ich denke, nicht jeder Bundesbürger ist derart computeraffin, dass er sofort weiß, was ein Trojaner überhaupt ist und was dieser machen kann. Also kurz als Erklärungen vorweg: ein Trojaner ist i.d.R. ein selbstständiges Computerprogramm, dass einen oder mehrere bestimmte Computer infiziert. Dabei kann es manuell installiert werden, wie im aktuellen Fall beim Zoll im Flughafen, oder es installiert sich von allein. Letzteres passiert beispielsweise dann, wenn der Nutzer einen Download oder Email-Anhang öffnet, der vermeintlich sicher erscheint. Darin ist der Trojaner gut versteckt und man bekommt meist nichts von der Installation dieses Schadprogramms mit. Dieser Infiltrierung “verdankt” er auch seinen Namen. Denn der Mythologie nach sollen die Griechen ein hölzernes Pferd in die schwer einnehmbare Stadt Troja als Geschenk eingeschleust haben. In diesem trojanischem Pferd versteckten sich allerdings einige griechische Soldaten, die Desnachts herauskletterten und heimlich die Tore für das Heer der Griechen öffneten. Dies war der sichere Untergang Trojas. Und genauso funktioniert eben auch ein sogenannter Trojaner.

Staatstrojaner in Ausnahmen legal

Nun zum aktuellen Fall. In verschiedenen Medien wird darüber berichtet, dass der Staat in Ausnahmefällen solche Schadsoftware einsetzen darf, um Verdächtige zu überwachen. Soweit, so gut. Allerdings darf ein solcher “Staatstrojaner” nur einen sehr beschränkten Funktionsumfang aufweisen. Erlaubt ist ausschließlich das Abhören von Internettelefonaten, sogenannte Voice-over-IP-Telefonie. Einfach gesagt: wenn ein Verdächtiger mit seinem Computer via Skype telefoniert, darf der Staat dieses Gespräch im Verdachtsfall mithören. Diese Art der Staatsspionage gibt es ja bereits auch bei herkömmlichen Festnetz- und Handygesprächen.

Nur Voice-over-Ip erlaubt

Was jetzt allerdings nicht erlaubt ist, sind Vollzugriffe auf den Computer. Was heißt das? Der Trojaner kann deutlich mehr, als “nur” mithören. Denn der Nutzer am anderen Ende kann auf sämtliche Inhalte der Festplatte zugreifen und darin rumstöbern, als ob es die eigene wäre. Zudem sieht er alles, was der Verdächtige auch sieht: jede Mausbewegung, jedes Fenster was geöffnet wird, jedes Programm was gestartet wird, jedes Bild was angeschaut wird, jede Internetseite die geladen wird, einfach alles. Und das Beste: alles passiert in Farbe und Echtzeit. Praktisch wie ein Live-Bild auf den infizierten Computer. Genau diese Funktionalität ist strikt verboten und darf auch von staatlicher Seite aus niemals angewandt werden. Aber genau das, soll im aktuellen Fall passiert sein.

Kein Mörder oder Terrorist – ein Pharmamitarbeiter!

Kommen wir zum Schluss noch einmal kurz auf den Verdächtigen. Ursprünglich wurde diese Staatsspionage nur in besonderen Ausnahmefällen erlaubt und bedarf einer richterlichen Anordnung. Nämlich dann, wenn es um schwerste Kapitalverbrechen geht oder dem Zwecke der Terrorismusabwehr dient. In diesem Fall wurde der Mann allerdings nicht verdächtigt, ein Mörder oder Terrorkämpfer zu sein. Er ist (oder war) Mitarbeiter eines Pharmakonzerns und soll mit legalen Arzneimitteln gehandelt haben, die in Deutschland nicht unter das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) fallen . Wenn diese jedoch Außerlandes geschafften werden, ändert sich dafür die Bestimmung und sie werden offiziell zum BTM deklariert (Quelle: heise.de). Dieser Verdacht reichte, um einen Trojaner auf seinen Rechner zu schleusen. Ob es dafür eine richterliche Anordnung gab, ist noch nicht abschließend geklärt.

Big-Brother 2.0

Bleibt die Frage, wann und wie oft das bereits bei anderen Bundesbürgern passiert ist. Mal ganz ehrlich: wenn bereits ein Pharmamitarbeiter  interessant für Staatsspionage ist, wer ist es dann noch, bzw. wer ist es dann nicht? Ich jedenfalls scanne gleich mal meine Festplatte!

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