Transmedia Storytelling – die Zusammenkunft verstaubter Literatur mit Computerspielen

Written by mupaki.de on. Posted in medienblog

Transmedia Storytelling – die Zusammenkunft verstaubter Literatur mit Computerspielen Transmedia Storytelling – klingt wieder schön anglistisch und alle nicken kräftig bei diesen Worten, weil wir dem Anglizismus sowieso schon verfallen sind. Das Entscheidende aber ist, dass dahinter wirklich was Sinnvolles steckt. Immer weniger Kinder (und leider auch Erwachsene) greifen in ihrer Freizeit zum Buch, um einfach ein paar Seiten zu lesen. Wozu auch, es gibt ja die digitale Welt, Computerspiele en masse, verschiedene Storys mit verschiedenen Charakteren und das alles schön in Farbe auf dem Monitor. Wozu also das eigene Hirn anstrengen und sich beim Lesen einer naturgetreuen Beschreibung eines Raumes, von Personen etc. eine eigene Vorstellung davon machen wie das Beschrieben aussehen könnte?! Nun, was dieses Thema betrifft, streiten sich wahrscheinlich die Geister. Fakt ist, wir haben die zum Teil veraltete Literatur mit so hochtrabendem und überaus korrektem Deutsch, dass es keiner mehr versteht. Und wir haben die Welt der Technik. Und in dieser „digitalen Ära“ ist nun die Zeit gekommen, beides miteinander zu verknüpfen.

„Der große Gatsby“ wird zum Browsergame

Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2011 hat vor allem eins für Aufsehen gesorgt: das Neuerzählen eines gesellschaftskritischen Romans mit Hilfe eines Browsergames. Peter Smith und Charlie Hoey haben die Geschichte des „Großen Gatsby“ aus den 20er Jahren in New York aufgegriffen und daraus ein „nostalgisch gestaltetes“ Jump’n’run-Spiel gemacht. Wer es sich selbst einmal anschauen und ausprobieren möchte: http://greatgatsbygame.com/ Dieses Spiel ist nur ein Beispiel für das Transmedia Storytelling. Der Buchmessen-Direktor Jürgen Boos ist sich sicher, dass beispielsweise ein James Joyce, würde er heute noch leben, sich ebenfalls der digitalen Medien bedienen würde um seine Geschichten zu erzählen. Da sich die Gesellschaft und technische Möglichkeiten stetig weiterentwickeln, sind wir beim Geschichten erzählen und hören nicht mehr nur auf die Schriftsprache angewiesen, sondern können es auf andere Weise darstellen und interpretieren. Und genau darum geht es – die Neuinterpretation „alter“ Geschichten. Das Entscheidende ist dabei der Leser bzw. Empfänger der Geschichte, denn er möchte einbezogen werden und selbst die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Es ist davon auszugehen, dass Geschichten nicht mehr nur linear erzählt werden und Bücher Seite um Seite umgeblättert werden, sondern dass es sich eher um Sequenzen einer Geschichte handelt. Diese werden um verschiedene Ebenen ergänzt und ähnlich einem Bildbearbeitungsprogramm übereinandergelegt. Das ist spannender und schnelllebig – eben genau das Gegenteil eines Buches, dessen Erzählweise für die heutige Zeit zu langsam ist.

Ein bisschen Bildung gibt es ganz nebenbei

Kommen wir mal kurz zur Pisa-Studie – jaja, immer dieses leidige Thema mit den niederschmetternden Ergebnissen deutscher Schüler, ich weiß. Aber darum soll‘s nicht gehen. Aber einen Aspekt brauche ich doch – nämlich, dass die Lesekompetenz zum Beispiel bei Jungen deutlich unter der der Mädchen steht. Und dass sie generell abgenommen hat. Schuld sind natürlich die Medien, ist ja klar. Na ja, nicht ganz. Experten vermuten, dass die Auswahl der Literatur dazu führt, dass Jungs weniger lesen, denn meist sind es eher „Mädchen-Geschichten“ mit Beziehungskram und wenig Action. Und da immer weniger Väter ihren Söhnen vorlesen, ist Lesen auch nicht sonderlich männlich. Da steht’s mit Computerspielen schon anders. Lassen wir das mal so im Raum stehen. Das Gute am Transmedia Storytelling ist die Neuinterpretation alter Geschichten, von denen alle behaupten, diese Klassiker müsse man gelesen haben. Sie sind zwar nicht eins zu eins wiedergegeben, aber zumindest Sequenzen, einige Handlungsstränge und die Charaktere. So lernen auch die Lesefaulen die großen Klassiker kennen, haben dabei aber Spaß. Durch die Verknüpfung verschiedener Medien ergänzen sich hier Lese-, Seh-, Hör- und andere Erfahrungen, die während des Spielens gesammelt werden. Es ist nicht das gleiche wie lesen, schon klar, aber zumindest müssen wir nicht immer alles verteufeln, wenn die Kids lieber am PC spielen statt einsam auf der Couch zu liegen und zu lesen.

Der Tod des Buches?

Vielleicht finden Bücher nicht mehr den großen Andrang wie früher. Aber sollen sie deshalb aussterben? Ist die Erzählweise wirklich so langsam und deswegen langweilig wie alle behaupten?! Vielleicht macht genau das aber auch den Charme aus – das allmähliche Vorarbeiten, indem man Seite für Seite liest. Fern von der schnelllebigen, überdigitalisierten Welt, der wir im Alltag ohnehin nicht mehr entfliehen können. Na ja, aber das ist wohl Geschmackssache. Während die Einen in ihrem Leben wahrscheinlich weniger als fünf Bücher gelesen haben und auch nicht mehr lesen werden, weil die bunte Welt da draußen viel aufregender ist, werden die Anderen genau diese Andersartigkeit eines „langweiligen“ Buches schätzen. Meiner Meinung nach ist die Sichtweise, Bücher sind nicht mehr wichtig oder befinden sich auf absteigendem Ast zu kleinkariert. Vielmehr geht es darum, dass es einfach andere und moderne Arten gibt, Geschichten zu erzählen. Sie existieren parallel und sind vermutlich eine lange Zeit deutlich beliebter, einfach weil sie neu sind. Aber früher oder später werden sich viele besinnen und auch wieder das einfache Papier mit der schwarzen Tinte zu schätzen wissen. Unsere Welt ist so vielseitig, dass nicht zwangsläufig das Alte vom Neuen abgelöst werden muss, sondern beides parallel existieren kann. Wir mögen doch auch Oldtimer, wieso denn nicht auch die leicht vergilbten, leicht modrig riechenden Bücher im Schrank, die doch die eine oder andere Erinnerung in uns wecken?! Zu Beginn sprach ich von Anglizismen…ist Ihnen aufgefallen über wie viele „nicht-deutsche“ Wörter Sie in diesem Beitrag gestolpert sind?

Suchbegriffe:

  • literatur computerspiele

Tags: , , , , , , , ,

Trackback from your site.

Einen Kommentar schreiben.