internet knigge

Als Adolph Freiherr Knigge 1788 sein inzwischen berühmtestes Werk „Über den Umgang mit Menschen“ veröffentlichte, war an das Internet noch lange nicht zu denken. Über viele Jahrzehnte und Jahrhunderte wurde dieses Werk gemeinhin als „Knigge“ geliebt oder gehasst, fand in jedem Fall Anwendung und ist bis heute in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen. Allgemeine Benimmregeln sind heute jedoch ebenso wichtig wie damals – eventuell sogar wichtiger denn je. Durch das Aufkommen neuer Kommunikationsmittel wie Telefon, Internet etc. zeigten und zeigen sich Lücken in den aufgelisteten Umgangsformen Knigges. Diese Kommunikationsformen erfolgen nunmehr nicht vis-à-vis, sondern ermöglichen es jedem Einzelnen von überall Nachrichten bzw. Botschaften zu senden und empfangen.

Soziale Netzwerke als Kommunikationsmedium

Insbesondere die sozialen Netzwerke wie Facebook, die VZ-Netzwerke oder Google Plus werden von Millionen Menschen täglich genutzt um mit Freunden, Bekannten und der Familie in Kontakt zu bleiben. Durch verlockende Möglichkeiten, so gut wie alles über sich preiszugeben und zu veröffentlichen, werden Gedanken über die eigene Privatsphäre kaum verschwendet. Vor einigen Jahren empfanden Bundesbürger es als massiven Eingriff in ihre Privatsphäre, wenn öffentliche Gebäude und Institutionen aus Sicherheitsgründen mit Überwachungskameras ausgestattet wurden. Jetzt, wo wir vom heimischen PC aus Fotos hochladen, intime Geschichten über Plauderkästen erzählen oder unseren aktuellen Standort an Facebook freigeben können, interessiert das kaum noch jemanden. Es überwiegt das Gefühl der Privatsphäre, weil wir vieles von zuhause aus machen und uns hier schließlich niemand stört oder Einblick in unser Leben erhält. Dass wir aber genau dies freiwillig ermöglichen, indem wir die sozialen Netzwerke zur Verbreitung unseres Privatlebens nutzen, ist für viele entweder gedanklich nicht zu verarbeiten oder sie wollen es nicht wahrhaben. Fakt aber ist, dass nicht wenige Mobbingopfer wurden oder sich über gezielte Werbung wunderten, nachdem sie sich fleißig im Internet präsentiert haben. Um dem Einhalt zu gebieten, hat sich der Knigge-Rat Gedanken um so genannte Benimmregeln fürs „Social Web“ gemacht.

„Privacy Knigge“ schützt in sozialen Netzwerken

Rainer Wälde, Mitglied des Deutschen Knigge-Rats hat sieben solcher Empfehlungen für den Umgang mit sozialen Netzwerken herausgegeben:

1. Alle Sicherheitseinstellungen aktivieren

Sicherheitseinstellungen zu aktivieren ist meist nur über einige Umwege möglich. Trotzdem sollten diese in Kauf genommen werden, um selbst zu bestimmen welche Daten für jedermann sichtbar sind und welche nicht.

2. Bilden Sie Freundeskreise

Einige soziale Netzwerke ermöglichen die Unterscheidung zwischen Bekannten und Freunden. Generell sollte gut überlegt sein, welche „Freundschaftsanfrage“ angenommen oder lieber abgelehnt wird. In jedem Fall sollten verschiedene Kreise bzw. Listen angelegt werden, die beispielsweise Freunde, Bekannte und Familienmitglieder unterscheiden.

3. Schützen Sie bei jedem Eintrag die Privatsphäre

Pinnwandeinträge sind äußerst beliebt, da sie schnell geschrieben und verschickt werden können. Aber Vorsicht, in den Grundeinstellungen sind diese meist für jeden sichtbar. Am besten noch vor dem Absenden festlegen, an welche Gruppe der Eintrag gerichtet werden soll.

4. Prüfen Sie Ihre privaten Fotos

Private Fotos sind grundsätzlich ein sehr sensibles Thema in sozialen Netzwerken. Vor der Veröffentlichung sollte äußerst gut durchdacht sein, ob das Foto in 5 Jahren auch noch so witzig anzusehen ist oder ob der volltrunkene Blick nicht lieber etwas für die unterste Schublade im heimischen Schreibtisch ist. Auch ist auf die Privatsphäreanderer auf dem Foto befindlicher Personen zu achten. Eine Veröffentlichung ist nur nach ausdrücklicher Erlaubnis derjenigen gestattet!

5. Ihre Persönlichkeit verdient Schutz

Jeder von uns hat eine sexuelle Orientierung, politische Ansichten und einen Beziehungsstatus. Dennoch müssen diese Informationen ebenso wenig zwingend preisgegeben werden wie die eigene Anschrift und Telefonnummer. Wenn ein Feld optional auszufüllen ist, lieber zweimal überlegen, ob es wirklich notwendig ist.

6. Achten Sie auf Vertraulichkeit

Kommentare unter Pinnwandeinträgen oder Fotos können lieb und nett, aber auch verletzend oder diskriminierend sein. Ehe jemand verletzt wird, lieber das Versenden einer persönlichen Nachricht nutzen.

7. Löschen Sie aktiv unerwünschte Einträge

Das Internet vergisst nie! Je länger eine Nachricht oder ein Eintrag im Internet ist, desto schwerer ist sie zu löschen. Viele Informationen befinden sich auch ausländischen Servern, bei denen das deutsche Recht nicht greift. Tipp: unerwünschte, diffamierende Einträge lieber zeitnah löschen (besser: gar nicht erst veröffentlichen). Diese 7 Empfehlungen inklusive der Originalanmerkungen vom Knigge-Rat können in unserem Donwload-Bereich als pdf heruntergeladen werden.

Der Deutsche Knigge-Rat

Die Mitglieder des Deutschen Knigge-Rats stammen aus den unterschiedlichsten Berufszweigen und arbeiten ehrenamtlich sowie unabhängig. Ihre Amtsdauer ist auf drei Jahre befristet, um stets aktuellen Trends gerecht werden zu können und Impulse aus vielen verschiedenen Bereichen zu erhalten. Es geht ihnen weniger um die Bewahrung einer strengen Etikette als vielmehr einen respektvollen Umgang der Menschen untereinander zu fördern. Neben Gastvorträgen oder einheitlichen Empfehlungen und Orientierungshilfen für jedermann soll durch regelmäßige Pressemeldungen und Expertenmeinungen das Thema „Umgangsformen“ stetig aktuell in den Medien präsent sein.

Soziale Netzwerke im Internet

Allgemein werden soziale Netzwerke dadurch beschrieben, dass sich Personen untereinander und miteinander verknüpfen. Dies kann über die unterschiedlichsten Medien und Inhalte geschehen. Oftmals werden im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken auch Begriffe wie Social Media oder soziale Medien erwähnt. Diese Bezeichnung trifft dann zu, wenn Nutzer gemeinsam eigene Inhalte erstellen. In der Fachsprache ist dann auch oft von "User Generated Content" oder "user driven content" die Rede. Kurz gesagt handelt es sich dann hierbei um Inhalte die nur vom Nutzer und nicht vom Webanbieter bestimmter Angebote erstellt werden. Populäre Beispiele sind da die Online-Enzyklopädie Wikipedia, Videoportale für YouTube aber auch Blogs wie unserer Medienblog auf mupaki.de. Alle diese Inhalte werden in der Regel auch als Web 2.0 zusammengefasst. Im weitesten Sinne zählen also auch soziale Netzwerke im Internet mit zu den Web 2.0 Angeboten.

Funktionen von sozialen Medien

Typische Funktionen der sozialen Netzwerke sind zum Beispiel ein persönliches Profil der Nutzer, angelegte Kontaktlisten von Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern oder Familienmitgliedern und ein weitreichender Nachrichtendienst. Mit letzterem sind soziale Netzwerke wie Google plus, Facebook oder MeinVZ zu einem täglichen Medium der Nutzer geworden. Die Mitglieder der Netzwerke tauschen sich jeden Tag über diese Plattformen aus, teilen dabei Fotos, Videos und Statusmeldungen. Durch soziale Netzwerke wie Facebook und Co. nutzen viele Menschen das Internet jeden Tag und rund um die Uhr. Durch die technische Weiterentwicklung der mobilen Medien wie Notebooks, iPads und Smartphones ist der Weg ins Internet und damit auch in die sozialen Medien viel einfachen geworden.

Werbung in sozialen Netzwerken

Aber nicht nur Privatpersonen sondern eben auch viele Unternehmen nutzen die sozialen Netzwerke mittlerweile für sich. Dabei werden in ausgeklügelten Online-Marketing Strategien Werbeanzeigen geschalten, die ganze bestimmte Zielgruppen ansprechen sollen. Dabei nutzen soziale Netzwerke wie Facebook die Daten der persönlichen Angaben seiner Mitglieder, um diese Informationen an werbetreibende Firmen zu verkaufen. Für Unternehmen war es noch nie so einfach, zielgruppengenaue Werbung rund um die Uhr im Internet zu platzieren. Auf Facebook-Fanseiten werden von Vereinen, Unternehmen und Marken werden den Nutzer aber oft auch interessante Inhalte geboten. Auf der Fanseite von mupaki.de z.B. informiert unser Medienratgeber seine Fans und Freunde ständig über neue Inhalte und Beiträge aus unserem Medienblog. Risiken und Gefahren von sozialen Medien Neben allen Vorteilen und Möglichkeiten, die soziale Netzwerke im Internet den Menschen und Unternehmen bieten, wird auch immer wieder Kritik geäußert. Neben eklatanten Sicherheitslücken auf Facebook (beispielsweise), Verstöße gegen das Datenschutzgesetzt ist auch Cybermobbing immer wieder ein Thema. Nicht selten werden aus harmlosen Usern schnell Täter oder Opfer im Bereich des Mobbing im Internet. Nicht selten handelt es sich bei den Betroffenen dann um Kinder und Jugendlichen.

Möglichkeiten von Social Media

Trotz aller Gefahren der sozialen Netzwerke nutzen Millionen von Menschen die Online-Dienste immer öfter und intensiver. Jeder ist jederzeit online, chattet, teilt Bilder und Videos oder aktualisiert im Minutentakt seinen persönlichen Status. Mit der Veröffentlichung von Google plus hat der Platzhirsch Facebook nun einen würdigen Konkurrenten bekommen. Da Konkurrenz bekannter Weise das Geschäft belebt, haben sich beide soziale Netzwerke merkbar weiterentwickelt. Neben der Möglichkeit des Uplaods von Bildern und Videos können die Nutzer ihre Freunde und Kontakte in Kreisen und Gruppen sortieren und zusammenfassen. Damit ist es viel einfacher geworden, seine sozialen Kontakte besser zu gruppieren. Ob die Nutzer von Facebook nun aber auch Ihre Geschäftskontakte wie auf XING verwalten, bleibt fraglich. Seriosität lässt sich eben nicht mit ein paar zusätzlichen Funktionen im Bereich der sozialen Medien erreichen.

Social Media und News

Einen wichtigen Punkt im Bereich der soziale Medien bilden auch die linearen News und Nachrichten. Gemeint sind damit mehr als nur Statusupdates sondern vielmehr echte Kurznachrichten. Der bekannteste Anbieter hier ist wohl Twitter mit vielen Millionen Usern weltweit. Viele nutzen dieses soziale Netzwerk um wichtige Nachrichten zum Unternehmen oder Weltgeschehen zu veröffentlichen. Auf diese Weise wurde schon oft bspw. aus Krisenländern im "arabischen Frühling" berichtet. Spätestens seit dieser Zeit ist Twitter eines der wichtigsten sozialen Netzwerke geworden, um schnell und einfach eine kurze Nachricht im Internet zu veröffentlichen.

Forschung in sozialen Netzwerken

Das Social Media auch einen ernsthaften und innovativen Charakter haben kann, zeigen immer wieder Forscher aus aller Welt. Sie veröffentlichen Ihre Forschungsergebnisse nicht nur über Facebook, Twitter und Co. sondern nutzen diese Online-Plattformen um das Verhalten der Nutzer, deren Gefühlsleben oder Wünsche und Bedürfnisse zu analysieren und auszuwerten. So haben einige Wissenschaftler es sogar geschafft, einen Baum das Sprechen beizubringen. Damit ist dies der erste Baum mit einer Facebook-Fanseite Aber auch Inhalte wie Computerphysik und Spieltheorie rücken immer mehr in den Fokus der Forschung.