INDECT – Staatsüberwachung offiziell und im großen Stil

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Big Brother 2.0 - Staatsüberwachung mit INDECT Was mit einer grenzwertig legalen Handyüberwachung bei Demonstrationen anfing, über einen Staatstrojaner in Bayern weiterging, fußt jetzt in einer totalen Überwachung der Bürger seitens des Staates. Das Projekt INDECT lässt daher nicht zu Unrecht viele Datenschutzexperten zusammenzucken. Hinter dieser unscheinbaren und technisch anmutenden Abkürzung steht die Bezeichnung „Intelligentes Informationssystem zur Unterstützung von Überwachung, Suche und Erfassung für die Sicherheit von Bürgern in städtischer Umgebung“. Dieser ausführliche Titel des Überwachungsprojektes sollte für sich sprechen.

Bündelung von Überwachungstechnologien und Ressourcen

Sinn des großangelegten INDECT-Projektes soll es sein, verschiedene Methoden und Techniken zur Beobachtung und Überwachung von Straftätern oder Verdächtigen zusammenzufassen und miteinander zu kombinieren. Darüber hinaus soll es möglich werden, ein verdächtiges Verhalten von Menschen frühzeitig zu erkennen und bereits im Vorfeld eine Straftat zu vermeiden. Jeder, der den Film „Minority Report“ mit Tom Cruise schon einmal gesehen hat, wird jetzt große Augen machen. Denn auf einmal wird aus Leinwandfiktion knallharte Realität. Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte, die bereits 1956 geschrieben wurde und handelt von einer Polizeibehörde, die Straftaten bereits im Vorfeld verhindert, in dem sie potentielle Täter frühzeitig verhaftet. Keine 10 Jahre nach der Veröffentlichung dieses Filmes scheint es plötzlich auch in der realen Welt umgesetzt werden zu können.

Wie funktioniert die Überwachung mit INDECT?

Mit diesem städtischen Überwachungskonzept werden beispielsweise verschiedene Suchmaschinen und Suchfunktionen im Internet eingesetzt, um Verbindungen zwischen Menschen und deren Handlungen schneller aufzudecken. So wird es möglich sein, nicht nur Webseiten sondern auch Chats und Foren zu durchsuchen und zu analysieren. Mittels weiterentwickelter Computerlinguistik wird dann jedes geschriebene Wort ausgewertet und kategorisiert. Wer angesichts dieser Technik erstaunt ist, dem sei gesagt, dass zusätzlich Überwachungskameras, Handyortung und Gesichtserkennung damit kombiniert werden. Als letzten Clou könnten staatliche Behörden sogar fliegende und ferngesteuerte Kameras einsetzen. Reine Fiktion? Keineswegs! Sogenannte Quadrocopter gibt es bereits jetzt für den privaten Spion ganz legal zu kaufen. Gesteuert werden diese fliegenden Kameras mittels iPhone oder iPod. Diese Technologie existiert daher bereits und ein staatlicher Einsatz solcher Roboter ist nicht undenkbar. Mittels dieser Technik soll auch das Bewegungsmuster von Individuen erkannt und ausgewertet werden. Ein plötzliches Loslaufen könnte schnell als Gefahr erkannt werden. Wer also zukünftig schnell lossprintet, um den nächsten Bus noch zu erwischen, könnte dank INDECT als Bedrohung eingestuft werden. Und auch hier lässt sich eine Parallele zum Film „I Robot“ mit Will Smith ziehen, indem sich die Roboter selbstständig machen und die Menschheit als allgemeine Gefahr einstufen.

Kritik an Indect: Big Brother 2.0

Wer jetzt abwinkt und das INDECT-Projekt noch immer für nicht realisierbar hält, dem sei nur ein Zitat von Wikipedia an dieser Stelle aufgezeigt: „Die Europäische Union finanziert das Projekt mit 10,91 Mio. Euro; es läuft seit Jahresbeginn 2009 und soll fünf Jahre dauern.“ Es gibt also keine Zweifel daran, dass vieles von INDECT genauestens erforscht und höchstwahrscheinlich auch umgesetzt wird. Natürlich laufen viele Kritiker Sturm gegen ein derart großes Überwachungsprojekt. Zumal alle erfassten Daten in einer globalen Datenbank gespeichert werden sollen. Daher wundert es auch nicht, dass gewisse Behörden ein reges Interesse an der Vorratsdatenspeicherung haben. Und natürlich ist es mehr als beunruhigend, dass man damit praktisch zum gläsernen Bürger wird. Aber mal ganz ehrlich: was gibt man nicht bereits alles an persönlichen Daten unbesorgt im Internet preis. Millionen von Menschen sind bei sozialen Netzwerken wie Google Plus, XING oder Facebook angemeldet und laden jeden Tag völlig freiwillig Tonnen an persönlichen Daten hoch und geben sie damit ohne Zwang der Öffentlichkeit preis. Gerade Facebook macht kein Geheimnis daraus, dass es die Daten zu gewerblichen Zwecken nutzt. Vielleicht sollte Mark Zuckerberg tatsächlich Recht behalten, als er sagte: „Privatsphäre? Das ist ein Relikt der Vergangenheit!“

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