Ist der Arzt im Internet sinnvoll?

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Doktor Internet Im Netz gibt es zahlreiche Infoseiten, Blogs, Foren und unendlich weitere Möglichkeiten, Informationen zu diversen Themen zu streuen. Natürlich war es da nur eine Frage der Zeit bis auch gesundheitliche Themen diskutiert werden. Die Flut an zur Verfügung stehenden Seiten überfordert sowohl Eltern als auch Kinder und kaum jemand kann einschätzen, wann es sich um eine vertrauenswürdige Seite handelt. Grundsätzlich gilt hier: wenn es um die Gesundheit gehen, ist das Internet ein eher schlechter Ratgeber und kann auch nicht wirklich helfen. Das Internet ersetzt keinen fachmännischen Arzt, der die entsprechende Person in Natura vor sich hat.

Von Schnupfen über Lungenentzündung bis hin zur Beinamputation

Das Grundproblem bei der Recherche im Internet zu bestimmten Krankheiten ist, dass es entweder keine Fachleute sind, die darüber berichten oder sich bestimmte Symptome so sehr ähneln, dass man zu vollkommen falschen Schlüssen kommen kann. Ob es sich letztlich um eine „harmlose“ Erkältung handelt oder einen Grippevirus kann ohnehin nur der Arzt vor Ort feststellen. Es ist in Ordnung, sich grundsätzlich zu informieren und Gedanken zu machen, aber das ufert häufig in utopische Krankheitsbilder aus, die den Betroffenen mehr Angst machen als sie zu beruhigen. Auch kann das Internet hilfreich sein, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, wenn es sich beispielsweise um Krankheiten wie AIDS, Krebs o.ä. handelt. Personen, die gleiches durchlebt haben, können einander meist besser verstehen und einander Kraft geben. Jedoch sollte hierbei jeder vorsichtig sein und nicht seine Grenzen überschreiten. Sofern man merkt, dass es einen mehr persönlich schwächt und traurig macht als zu helfen, sollte das Ganze sofort beendet werden. Eine Art Selbsthilfegruppe im Internet kann also hilfreich sein, muss es aber nicht. Hier sollte der Betroffene nur auf sich und seine Gefühle hören. Bei der Recherche nach Krankheitsbildern empfehlen sich am ehesten offizielle Seiten von Behörden oder Ärzten anstatt in Foren nach utopischen Krankheiten zu suchen.

Verherrlichung offensichtlich gefährlicher Erkrankungen: Pro Ana und Pro Mia

Das Bundesministerium für Gesundheit hat kürzlich einen Artikel veröffentlicht, der vor der Nutzung von Websites und Beiträgen zum Thema Essstörungen warnt. Das Problem sei, dass es einige (zu viele) Seiten gibt, die die Krankheitsbilder verherrlichen. Sie stellen diese als Lebensstil und Modeerscheinung dar und blenden ernsthafte Risiken aus. Vor allem vor Verniedlichungen wie „Pro Ana“ für Anorexia nervosa (Magersucht) und „Pro Mia“ für Bulimianervosa (Bulimie) wird gewarnt. Da sich die Themen bis in soziale Netzwerke und Blogs ausbreiten, die auch bei Jugendlichen sehr beliebt sind, sind Eltern mehr gefragt denn je. Kinder und Jugendliche sind nicht nur leichtgläubig, sondern befinden sich insbesondere in der Pubertät in einer sehr schweren Phase des Sich-Findens und Orientierens. Das Problem „der eigene Körper“ steht dabei sowohl bei Jungen als auch Mädchen sehr weit oben auf der Liste dessen, was anzugehen ist. Seiten, die zum Nachahmen von Bulimie oder Magersucht anregen, müssen gemieden werden. Doch das reicht nicht aus. Einen bewussten Umgang mit dem eigenen Körper zu erlernen kann bereits im Kindesalter erfolgen. Eltern müssen stets für ihre Kinder da sein und sie auffangen, wenn sie selbst überfordert sind. Wann und ob das sein wird, kann niemand vorhersehen. Aber wer kennt die eigenen Kinder besser als die Eltern? Und sollten sie sich nicht weiter zu helfen wissen, stehen Ärzte zur Verfügung, die die Betroffenen oder Hilfesuchenden an entsprechende Stellen weiterleiten können.

Sexuelle Aufklärung im Internet

In einem Online-Artikel der österreichischen Tageszeitung „Kleine Zeitung“ wurde 2011 über erschreckende Zahlen berichtet, die die sexuelle Aufklärung von Kindern und Jugendlichen betreffen. Das Hauptproblem sei, dass in der Schule zu wenig für die Aufklärung getan wird und wenn spricht es eher Mädchen an. Jungs hingegen suchen sich zu einem großen Teil ihre Informationen im Internet und tun das letzten Endes nicht auch über Pornos. Da in unserer digitalisierten Welt unzählige Pornoseiten im Web kursieren, ist es kaum möglich, alle zu sperren oder zumindest so einzurichten, dass Jugendliche keinen Zugriff haben. Aber auch das lässt sich mittels Kreditkarte der Eltern o.ä. umgehen. Das Problem dabei ist auch weniger, dass Jugendliche Pornos schauen, das ist schließlich keine Neuheit, sondern entspricht der natürlichen Neugierde junger Menschen. Problematisch hingegen ist, dass sie bei übermäßigem Konsum ohne begleitende Aufklärung ein vollkommen verzerrtes Bild von Sexualität erhalten, das nicht der Realität entspricht. Auf der anderen Seite gibt es sicherlich auch unzählige Seiten und Foren, wo unsichere Jugendliche sich Rat holen, weil sie Angst haben, mit ihren Eltern darüber zu sprechen. Es muss also nicht zwangsläufig alles verteufelt werden. Eins aber bleibt: Aufklärung durch Pädagogen und Eltern muss unbedingt erfolgen und zwar bereits im Kindesalter (ca. 9 – 10 Jahre).

Das Fazit fällt an dieser Stelle sehr kurz aus:

1.: keine einzige Seite im Netz ersetzt den Besuch beim Arzt! 2.: Eltern müssen ihre Kinder über Gefahren im Netz aufklären und sie beobachten – verhalten sie sich in irgendeiner Weise auffällig, müssen sie aktiv werden und ggf. Hilfe suchen.

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